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Gewalt an Frauen: NRin Falkner fordert klare Haltung

Mehrere aktuelle Gewaltfälle – auch in Innsbruck – waren Anlass für eine eindringliche Rede der Tiroler Abgeordneten Margreth Falkner im Nationalrat.

Die jüngsten Gewaltverbrechen an Frauen, darunter auch der Mord in Innsbruck, haben vergangene Woche den Nationalrat beschäftigt. Die Tiroler Abgeordnete Margreth Falkner nutzte die Debatte rund um den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen, um die Entwicklung deutlich anzusprechen – und zeigte sich dabei sichtlich betroffen.

Keine Einzelfälle

„Ich finde oft keine Worte mehr“, sagte Falkner zu Beginn ihrer Rede. Gemeint waren damit nicht einzelne Vorfälle, sondern eine Serie von Fällen, die sich in den vergangenen Wochen gehäuft haben: der Mord in Innsbruck, weitere brutale Übergriffe sowie medial viel diskutierte Fälle. Für Falkner ist klar: „Das sind keine Einzelfälle, das sind keine Ausnahmen. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht von Gewalt gegen Frauen lesen oder hören.“

Was nach der Tat passiert

Besonders schwer wiege für sie nicht nur die Tat selbst, sondern der Umgang danach. Täter würden relativieren, Verantwortung abschwächen und in manchen Fällen sogar Unterstützung erfahren. „Da entschuldigt sich ein Täter und relativiert im gleichen Atemzug“, so Falkner. „Dann kommt sie, die Fanbase: Sie feiern ihn, sie nehmen ihn in Schutz.“ Gleichzeitig werde das Verhalten der Opfer hinterfragt. Aussagen wie „Ganz unschuldig wird sie ja nicht gewesen sein!“ bezeichnete sie klar als Täter-Opfer-Umkehr und stellte die Frage: „Und wir wundern uns dann, warum Frauen sich nicht trauen, Anzeige zu erstatten?“

Gewalt gegen Frauen beginnt nicht erst bei der Tat. Sie beginnt bei Worten und bei Bildern, sie beginnt bei Verharmlosung und – genau! – auch beim Schweigen.

Nationalratsabgeordneter Margreth Falkner

Gesellschaft in der Pflicht

Auch eine grundsätzliche Debatte sprach sie offen an – oft werde mit dem Argument „Es sind ja nicht alle Männer so!“ das Thema relativiert. „Stimmt, nicht alle Männer sind gewalttätig, aber der Großteil aller Gewalttätigen sind Männer.“ Entscheidend sei für sie aber, dass sich jene, die Gewalt ablehnen, auch klar positionieren. „Ich vermisse den Aufschrei derer, die sagen, dass nicht alle Männer so seien“, sagte Falkner. „Ich vermisse ihre Zivilcourage, ich vermisse ihr klares Stopp.“

Digitale Gewalt nimmt zu

Erschreckend sei zudem, dass online immer mehr neue Räume entstehen, die Gewalt an Frauen weiter befeuern. KI-Programme würden dazu genutzt, Menschen, vor allem Frauen und Kinder, ohne Zustimmung zu sexualisieren oder zu entwürdigen. Das sei klar als „digitale Gewalt“ zu bezeichnen. „Wenn Hemmschwellen sinken, wenn Entwürdigung normalisiert wird, wenn Täter sich hinter Technologie verstecken können, dann schaffen wir ein System, das Gewalt nicht verhindert, sondern begünstigt“, verdeutlicht die Abgeordnete.

Aktionsplan mit Maßnahmen

Anlass der Debatte war der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, der im November 2025 beschlossen wurde. Er umfasst 159 Maßnahmen in acht Bereichen – von der Evaluierung des Sexualstrafrechts über ein mögliches Verbot nicht einvernehmlicher Bildaufnahmen bis hin zum Ausbau von Gewaltambulanzen und zur elektronischen Überwachung von Hochrisiko-Gewalttätern. Falkner betonte, dass damit wichtige Schritte gesetzt worden seien und in den vergangenen Jahren bereits viel passiert sei.

Gesetze allein reichen nicht

Gleichzeitig machte sie deutlich, dass politische Maßnahmen allein nicht ausreichen werden. „Wir alle tragen Verantwortung, und jeden Tag müssen wir gegen Gewalt an Frauen auftreten“, sagte sie. Es dürfe nicht sein, dass Frauen ihr Verhalten aus Angst anpassen müssten.

Ihr Appell richtet sich damit an die gesamte Gesellschaft – und besonders auch an Männer: „Ich will, dass unsere Söhne laut sind, dass sie hinschauen, dass sie eingreifen, dass sie nicht wegschauen.“ Denn, so ihr Fazit: „Gewalt gegen Frauen beginnt nicht erst bei der Tat. Sie beginnt bei Worten und bei Bildern, sie beginnt bei Verharmlosung und – genau! – auch beim Schweigen.“

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