Wölfe

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Das Wolfsproblem europäisch denken

LK, Landesregierung und Rechtsexperte plädieren für ein einheitliches Vorgehen im Wolfsmanagement. Kärnten solle im Alpenraum als Vorbild dienen.

Die Kärntner Lösungen, um die Verbreitung des Großraubtieres Wolf einzudämmen, finden zunehmend Nachahmer. Mittlerweile haben mehrere Bundesländer, zuletzt Vorarlberg, juristische Anpassungen nach ähnlichem Muster vorgenommen.

Schutzstatussenkung „pragmatisch“ umsetzen

„Die Risszahlen der letzten Jahre belegen, dass dieser Weg wichtig und richtig war, um die Beibehaltung der Alm- und Weidewirtschaft und der damit einhergehenden Pflege der Kulturlandschaft sicherzustellen“, wurde seitens der LK bei einer diesen Monat abgehaltenen Pressekonferenz erklärt.

Die 2025 erfolgte Absenkung des Schutzstatus des Wolfs in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) ist bis Jänner 2027 von den Mitgliedstaaten umzusetzen. Kärntens Bauernvertreter nahmen dies zum Anlass, um Professor Roland Norer von der Universität Luzern um seine Einschätzung zu bitten. Der Fachmann, welcher auch schon ein Buch zur Rechtslage rund um den Wolf verfasste, sprach sich klar für ein überregionales Wolfsmanagement in Europa und insbesondere im Alpenraum aus.

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Ein Blick auf die Verbreitungskarte des Wolfs am Kontinent zeigt: Regionale Lösungen allein reichen nicht aus.

Aktuell würden vor allem Länder wie Österreich und die Schweiz massive Bemühungen zeigen, während Italien – das im Wesentlichen dieselbe Wolfspopulation im Land hat – kein aktives Management betreibt. Und das bei einer Wolfspopulation von geschätzt 3.000 bis 3.500 Tieren. Hinzu komme, dass in Italien aufgrund wildernder Hunde auch viele Wolfshybride entstanden seien. Laut einer aktuellen Studie könnte bereits die Hälfte der italienischen Wölfe mit Hunden gekreuzt sein. Der Jurist plädierte für „pragmatische Lösungen“ in der Sache und das über Landesgrenzen hinaus.

Der Wolf verbreitet sich unkontrolliert und kennt keine Grenzen, weder von Almen und Weiden noch von Staaten.“

Siegfried Huber

LK-Präsident Siegfried Huber ist ebenso überzeugt, dass es ein Umdenken beim Thema Erhaltungszustand braucht: „Der Wolf verbreitet sich unkontrolliert und kennt keine Grenzen, weder von bewirtschafteten Almen und Weiden noch von Staaten.“ Kritik an NGOs übte in diesem Zusammenhang LH-Stellvertreter Martin Gruber. Es vergehe kaum ein Monat, in dem nicht irgendein Auftragsgutachten das Vorgehen Kärntens anzweifelt, teilte er mit. Ebenso verhalte es sich mit erfolglosen Versuchen, rechtliche Schritte gegen die involvierten Behörden zu setzen. „Für mich ist das alles nur mehr eine Form des Aktionismus, der von ideologischen Standpunkten getrieben ist und der schon nicht an Lösungen interessiert ist“, so Gruber.

Wolfsgipfel in Kärnten soll Lösungen bringen

Für eine Lösung brauche es neben einem grenzüberschreitenden Management auch ein Umdenken beim Thema Erhaltungszustand. „Der Wolf hält sich nicht an administrative Grenzen und kann nicht innerhalb eines Bundeslandes beurteilt werden. Der Alpenraum müsste der Bezugsrahmen für den Erhaltungszustand der Wolfspopulation sein“, so der Agrarlandesrat, der dafür in Brüssel um Mitstreiter wirbt.

Der Alpenraum muss der Bezugsrahmen für den Erhaltungszustand der Population sein.

Martin Gruber

Damit die Absenkung des Wolfsschutzstatus in der FFH-Richtlinie auch in funktionierenden Maßnahmen mündet, werden Huber und Gruber heuer erstmals zu einem grenzüberschreitenden Wolfsgipfel nach Kärnten einladen. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

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