Herr Tschida, Sie waren Organisator der Kundgebung am 1. April in Wien – einer Demonstration in einer hierzulande völlig neuen Dimension. Wie kam es dazu?
Tschida: Die Einkommensprobleme sowie die stark gestiegenen Investitionskosten in der Landwirtschaft thematisiere ich bereits seit 2023 regelmäßig gegenüber Medien. Mittlerweile liegen diese bei mehr als 600.000 Euro pro Arbeitskraft, also fast doppelt so hoch wie in der Industrie. In der Landwirtschaftskammer Burgenland haben wir außerdem bereits zwei Resolutionen zu den Einkommensproblemen – insbesondere im Ackerbau – in der Vollversammlung verabschiedet. Im Dezember waren wir gemeinsam mit Kollegen sowie einer Delegation der Landwirtschaftskammer Österreich und dem burgenländischen Präsidenten Nikolaus Berlakovich zu einer von Copa-Cogeca organisierten Demonstration in Brüssel.
Im Jänner haben wir dieses demokratische Grundrecht auch in einer Protestfahrt gegen das Mercosur-Abkommen nach Parndorf genutzt. Der halbe Weg nach Wien war damit getan. Für den 1. April haben wir uns breiter organisiert. Uns war wichtig, einen Schulterschluss mit allen Interessenvertretungen zu schaffen und gemeinsam – unparteiisch als Landwirte – unsere Forderungen an die zuständigen Minister zu richten.
Gibt es finale Zahlen?
Es waren mehr als 350 Traktoren beteiligt, dazu auch Lohnunternehmer. Insgesamt schätzen wir die Teilnehmerzahl auf etwa 2.500 bis 3.000 Personen. Der Protestzug war rund einen Kilometer lang und dreispurig. Viele Landwirte sind auch mit Bus und Bahn aus Tirol, Kärnten, der Steiermark und Oberösterreich angereist.
Es ist vielen klar geworden, dass die Landwirtschaft dringend eine Perspektive braucht.
Ernst Tschida
Welches persönliche Resümee ziehen Sie aus der Demo?
Als Organisator bin ich sehr froh, dass es zu keinen Unfällen oder Ausschreitungen gekommen ist. Bilder wie aus Brüssel oder Frankreich mögen Aufmerksamkeit erzeugen, hinterlassen aber kein gutes Bild und schränken den Verhandlungsspielraum gegenüber Bevölkerung und Politik ein. Es ist sicher vielen klar geworden, dass die Landwirtschaft in Österreich dringend eine Perspektive braucht und dass die Regierung rasch entsprechende Maßnahmen im Budget setzen muss. Viele junge Landwirtinnen und Landwirte aus ganz Österreich sind motiviert gekommen und mit einem Gefühl wie nach einem erfolgreichen Arbeitstag wieder nach Hause gefahren. Gleichzeitig gab es auch Enttäuschung darüber, dass bisher aus den Ministerien keine konkreten Ergebnisse folgten.
Kritiker sagen, solche Formate seien symbolisch, aber wenig wirksam. Ihre Meinung?
Wer dabei war, weiß, dass es nicht nur Symbolik war. Oft sind es gerade jene, ironischerweise, die nicht dabei waren, die am besten wissen, wie man es hätte besser machen können. Ich erwarte mir jetzt konkrete Maßnahmen, die die Inflation der letzten Jahre ausgleichen und zukünftig anpassen werden – insbesondere durch entsprechende Mittel im Bundesbudget für die Landwirtschaft.
Mit dem Minister gab es vorab ein konstruktives Gespräch.
Ernst Tschida
Gab es Reaktionen aus der Politik?
Ja. Für die geforderte Herkunftskennzeichnung sind das Wirtschafts- und das Sozialministerium zuständig. Nach der Demonstration in Parndorf verwies das Sozialministerium auf eine mögliche EU-weite Regelung. Nach dem 1. April wurde zunächst intern geklärt, wer konkret zuständig ist. Das Wirtschaftsministerium hat ohne Begründung auf das Landwirtschaftsministerium verwiesen. Mit dem Landwirtschaftsminister gab es bereits vor der Demonstration ein konstruktives Gespräch über mögliche Anpassungen im Bereich Bürokratie.
Wie geht es mit dem Verein „Bündnis Zukunft Landwirtschaft“ weiter?
Unser Verein hat die Aufgabe, auf Probleme aufmerksam zu machen. Wir sind alle aktive Landwirte mit mehr als einem Vollzeitjob. Die konkrete Ausarbeitung von Lösungen liegt bei den politischen Vertretern. Ich selbst bin weiterhin als Kammerrat im Burgenland tätig. Sollten in absehbarer Zeit keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt werden, werden wir erneut geschlossen auftreten. Vernetzung und Kommunikation sind dabei der Schlüssel.
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