Es war ein ganz normaler Arbeitstag für die Niederösterreicherin Margit Kitzweger-Gall. Doch plötzlich knickt sie inmitten ihrer Tätigkeit um und bricht sich beidseitig den Knöchel. Von einem Moment zum anderen war alles anders, „denn ich konnte nicht mehr gehen und somit auch nicht mehr arbeiten“, erinnert sich Kitzweger-Gall. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet sie einen 50 Hektar großen Ackerbaubetrieb mit Legehennenhaltung, Hofladen, Selbstbedienungs-Kastl und Schule am Bauernhof. Die Aufgaben sind klar zwischen dem Paar aufgeteilt, sodass jeder seinen Bereich hat und gut ausgelastet ist. Deshalb war gleich nach dem Arbeitsunfall klar: Es braucht eine Ersatz-Arbeitskraft.
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Betriebshilfe war notwendig
Margit Kitzweger-Gall kontaktierte daraufhin den Maschinenring und bat um eine Betriebshilfe. Somit wurde eine Bekannte der Familie engagiert. „Da ich selbst im Vorstand beim Maschinenring im Bezirk Leitha und Schwechat bin, wusste ich über das Angebot Bescheid“, so die Bäuerin. Die Betriebshelferin, die selbst Bäuerin ist, kümmerte sich somit hauptsächlich um den gesamten Verkauf im Hofladen, befüllte das Selbstbedienungs-Kastl vor dem Haus, kümmerte sich um die 150 Hühner und fütterte die Ziegen und Kaninchen.
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Die Eier der 150 Legehennen werden direkt ab Hof vermarktet.
Trotz der verlässlichen Unterstützung war es für Kitzweger-Gall auch psychisch sehr belastend. „Man ist es nicht gewohnt, nur zu liegen und nicht anpacken zu können“. Heute rückblickend würde sie sich aber immer wieder Unterstützung holen, denn für sie ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern von bewusster Stärke. „Man muss erkennen, wenn man Hilfe braucht und sie dann auch annehmen“. Bereits vor ihrem Unfall nahm sich Margit Kitzweger-Gall im Zuge des Projekts „Happy am Hof“ eine Auszeit. „In der Gesundheitswoche nimmt man sich Zeit für sich und diese braucht jeder immer wieder.“ Sie empfiehlt auch eine Aufgabenliste zu führen und abzuhaken, wenn etwas erledigt wurde. „So sieht man viel besser, wie viel man macht und erkennt auch, wann genug ist“, erzählt sie. Auch sie musste das erst lernen und es ist, wie sie selbst sagt, kein leichter Weg. „Ich habe viele Bekannte, die ständig arbeiten und sich nie eine Pause gönnen. Ich bin überzeugt, dass das nicht gut für die Psyche ist“, erläutert die Niederösterreicherin.
Ich habe viele Bekannte, die ständig arbeiten und sich nie eine Pause gönnen. Ich bin überzeugt, dass das nicht gut für die Psyche ist.
Margit Kitzweger-Gall
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Die Ziegen werden meistens von den Kindern vom Projekt "Schule am Bauernhof" gefüttert.
Projekt gegen psychische und körperliche Belastung
Eine Initiative, die auf die Bedeutung mentaler und körperlicher Auszeiten aufmerksam macht, ist „Happy am Hof". So heißt die Dachmarke, hinter der sich der Maschinenring, Lebensqualität Bauernhof (LQB) und die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) zusammengeschlossen haben. Ziel sei die psychische und physische Prävention für in der Landwirtschaft arbeitende Personen. Seit 2024 läuft das Projekt, das zunächst in der Konzeptionsphase war und Anfang 2025 mit Veranstaltungen und Medienkooperationen offensiv an die Öffentlichkeit gegangen ist. „Den Anstoß gab die wachsende Nachfrage nach Ersatzarbeitskräften auf landwirtschaftlichen Betrieben“, so Gründerin Gabriela Hinterberger vom Maschinenring. Dabei wurde festgestellt, dass die Belastung, vor allem psychisch, aber auch körperlich, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. „Happy am Hof" soll Bewusstsein schaffen, Prävention fördern und gemeinsam mit den Betroffenen gezielte Lösungen erarbeiten.
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Margit Kitzweger-Gall weiß wann es Zeit für eine Pause braucht.
Bewusster leben
Heute zwei Jahre nach dem Betriebsunfall von Margit Kitzweger-Gall lebt sie, wie sie selbst betont, bewusster. „Man weiß wie schnell etwas passieren kann und Hilfe benötigt“. Die Bäuerin empfiehlt daher im Vorhinein präventiv zu handeln und sich über potenzielle Hilfsangebote zu informieren. „Wenn man sich erst darum kümmert, wenn man darauf angewiesen ist, dann ist es oft schon zu spät“, meint die Niederösterreicherin.
Was ist "Happy am Hof"?
Das Projekt Happy am Hof ist ein Präventionsangebot vom Maschinenring, der SVS und von Lebensqualität Bauernhof. Gemeinsam wollen sie über Vorsorgeangebote und Behandlungsmöglichkeiten informieren, damit Bäuerinnen und Bauern auf ihren Höfen gesund und glücklich bleiben können. Mehr Infos unter happyamhof.at
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