Nach den Eisheiligen geht es im Freiland mit dem Pflanzen von Gemüsesetzlingen so richtig los. Bis es soweit ist, haben diese aber schon einen langen Weg hinter sich. Für Großabnehmer, größere Marktgärtnereien und Gartenbaubetriebe liefern spezialisierte Jungpflanzenhersteller das Material.
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Einer davon ist der Betrieb von Familie Weidenauer im 22. Wiener Gemeindebezirk. Dort werden seit 30 Jahren Jungpflanzen erzeugt. „Mein Vater hat den Betrieb von der klassischen Gemüseproduktion auf die Jungpflanzen-Herstellung umgebaut“, erzählt Juniorchefin Barbara Weidenauer. Die 29-Jährige ist vor knapp vier Jahren in den Betrieb von Vater Herbert eingestiegen und wird diesen nach dessen Pensionierung übernehmen. Vor ihrem Einstieg sammelte sie zunächst Erfahrungen in anderen Unternehmen und absolvierte ein betriebswirtschaftliches Studium.
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Etwa 45 Millionen Jungpflanzen werden jährlich am Betrieb produziert.
45 Mio. Pflanzen pro Jahr
Jetzt im Mai herrscht Hochbetrieb, denn täglich werden Lieferungen an Kunden verschickt. Dazu zählen vor allem Gemüsebaubetriebe und Gärtnereien in Ostösterreich. Pro Jahr produziert das Unternehmen auf 1,8 Hektar Glashausfläche etwa 45 Millionen Jungpflanzen. Dafür kaufen die Weidenauers lediglich das Substrat und das Saatgut zu. Am Betrieb werden dann zunächst die Samen maschinell in die Trays gesät. Danach erfolgt die Keimung und nach einiger Zeit kommen die kleinen Setzlinge in das Gewächshaus. Je nach Kultur bleiben sie dort länger oder kürzer – bis sie zum Verkauf bereit sind. „Etwa zwei Wochen benötigt der Salat für diese Schritte“, erklärt Weidenauer. Eine Besonderheit am Betrieb ist das Abhärtegewächshaus „Cabrio“. Dort werden die Pflanzen für das Aussetzen auf dem Feld vorbereitet, sodass sie die Außenbedingungen bei der Lieferung schon gewohnt sind. Produziert wird auf Bestellung. „Die Kunden können auch entscheiden, ob sie konventionelle oder biologische Ware haben möchten“, so die Juniorchefin, außerdem ist es ihr ein Anliegen auf Kundenwünsche einzugehen, „denn das ist mit unserer kleinen Größe gut umsetzbar.“
Die Kunden können auch entscheiden, ob sie konventionelle oder biologische Ware haben möchten.
Barbara Weidenauer
Mit Schädlingen hat der Betrieb wenig Probleme, da alle Pflanzen unter Glas gezogen werden. Außerdem sind „sie so klein, die Erde ist steril, wir haben es luftig und vor allem überwachen deren Gesundheit täglich mehrmals“, erklärt Weidenauer. Das einzig Herausfordernde sind Pilze, die durch die Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus entstehen können.
Etwa 45 Millionen Jungpflanzen werden jährlich am Betrieb produziert.
Lediglich das Substrat und das Saatgut werden zugekauft.
Die automatisierte Saat ermöglicht gleichmäßige und schnelle Ablage.
Die Bewässerung läuft abgestimmt auf die Sonneneinstrahlung.
Stetige Modernisierung
Für die Jungunternehmerin sind Innovationen sehr wichtig. Seit ihrem Einstieg wurde ein neues Sägerät angeschafft, das IT-System modernisiert und Umbauarbeiten am Gelände getätigt. „Wir arbeiten großteils maschinell, deshalb muss alles funktionieren und bestens ausgerichtet sein.“ Des Weiteren gibt es eine automatisierte Bewässerungsanlage, die die Pflanzen je nach Sonneneinstrahlung mit Wasser versorgt. Zusätzlich sind sieben Mitarbeiter beschäftigt. „Viele von ihnen kennen mich schon von klein auf, das macht einiges leichter“, berichtet Weidenauer. Dennoch war es für sie anfangs etwas schwierig, ihre Rolle als Führungskraft einzunehmen. „Ich bin Tochter, ich bin Chefin, aber auch Mitarbeiterin, da muss man eine Balance finden.“ Mittlerweile habe sie diese gefunden und fühlt sich in ihrer Rolle sehr wohl. Den Ausgleich findet sie bei ihrem Hobby, den Pferden, wo sie jede freie Minute verbringt.
Ich bin Tochter, ich bin Chefin, aber auch Mitarbeiterin, da muss man eine Balance finden.
Barbara Weidenauer
Zwischen Landwirtschaft und Unternehmertum
Die Weidenauers sind keine klassische Bauernfamilie und doch ist die Verbundenheit tief verwurzelt. „Wir sind eine Nische und ziemlich am Beginn der Wertschöpfungskette, wir arbeiten aber trotzdem landwirtschaftlich.“ Der Betrieb liegt direkt an der Grenze zu Niederösterreich, aber noch innerhalb des Stadtgebiets. „Für uns ist die Lage ideal, so können wir viele Kunden in der nahen Umgebung versorgen.“, so Weidenauer. Mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Branche liegt der Juniorchefin besonders am Herzen. „Ich wünsche mir, mehr Frauen im Vordergrund zu sehen, vor allem als Betriebsführerinnen, und dass es gar nicht zur Debatte steht, eine Frau zu sein.“ Dabei möchte sie selbst als Vorbild vorangehen: „Ich weiß, dass mein Papa sehr stolz auf mich ist.“ Für die Zeit nach seiner Pensionierung hat die Juniorchefin bereits konkrete Pläne. Bis dahin möchte sie die gemeinsame Arbeitszeit mit ihrem Vater in vollen Zügen genießen.
Betriebsspiegel
Jungpflanzen Weidenauer GmbH in Wien-Donaustadt
1,8 Hektar Glashausfläche
Sowohl biologische als auch konventionelle Produktion
Hauptkulturen: Salate und Weißkraut, aber auch Kohlgemüse, Sellerie, Porree, Fruchtgemüse und Kräuter
45 Mio. Jungpflanzen pro Jahr für professionelle Abnehmer
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