Was 2016 mit vier Partnerhöfen und rund 37.000 Euro Warenwert begann, ist heute eine der bekanntesten Direktvermarktungsplattformen für Bio-Fleisch, Bio-Fisch und Wild in Österreich. Gegründet haben sie Micha Brandtner und sein Bruder Lukas Beiglböck in Graz. Mehr als 200 bäuerliche sind mittlerweile auf „nahgenuss“ vertreten, auf der Kundenseite stehen mehr als 10.000 registrierte Konsumenten.
Wachstum mit Corona-Schub
Der umgesetzte Warenwert auf nahgenuss zeichnet ein Bild des Erfolgs. Wurden im Gründungsjahr 2016 noch 37.000 Euro umgesetzt, steigerte sich dies kontinuierlich auf rund 468.000 Euro im Jahr 2019. Das ist ein Wachstum um mehr als das Zwölffache innerhalb von drei Jahren. Den größten Sprung brachte das Pandemiejahr 2020, dort wurde erstmals die Millionengrenze überschritten. Der Gesamtwarenwert über alle zehn Betriebsjahre summiert sich auf mehr als 6 Mio. Euro. Nach dem Corona-Hoch „normalisierte“ sich die Nachfrage den Betreibern zufolge wieder. 2025 lag der erzielte Warenwert bei rund 823.000 Euro, unter dem Pandemie-Höchststand, aber auf einem stabilen Niveau, das deutlich über jenem der Prä-Covid-Zeit.
Vermarktung im Mischpaket
Das Geschäftsmodell von „nahgenuss“ basiert auf dem Grundgedanken, das gesamte Tier zu verwerten. Statt einzelner Teilstücke anzubieten, werden stets Mischpakete vermarktet. Die Plattform bringt also nicht nur Filet und Schnitzel an den Mann oder die Frau, sondern auch Braten, Gulasch, Suppenfleisch und Innereien. Der durchschnittliche Bestellwert liegt bei rund 143 Euro pro Bestellung. Hinzu kommt das Thema Kundenbindung, trotz Online-Vertrieb. Zu jedem Hof findet sich auf der Website eine Beschreibung samt näherer Informationen zum Betriebskonzept.
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Absatzchance für seltene Rassen
Das hat auch zur Folge, dass über nahgenuss Schlachtkörper seltener Rassen abgesetzt werden können. So können Feinschmecker auf der Seite Fleisch von Mangalitza, Turopolje, Schottischem Hochlandrind, Krainer Steinschaf oder Wasserbüffel erwerben. Für Betriebe, die auf solche Rassen spezialisiert sind, eröffnet die Plattform damit einen Absatzkanal, der über klassische Vermarktungswege nicht erreichbar wäre.
Trotz der positiven Entwicklung sollte der Aufwand für die Online-Direktvermarktung nicht unterschätzt werden. Nahgenuss-Chef Brandtner dazu: „Direktvermarktung klingt romantisch, ist aber viel Arbeit. Ein Hof muss Tiere versorgen, schlachten lassen, zerlegen, verpacken, kühlen, ausliefern, Rechnungen schreiben und nebenbei noch Kundenfragen beantworten.“ Die Plattform übernimmt dabei die digitale Infrastruktur, während die Betriebe die Produktion und Logistik selbst tragen. Für kleinere Höfe kann dieser Aufwand beträchtlich sein, insbesondere wenn das Direktvermarktungsgeschäft neben dem laufenden Betrieb gestemmt werden muss.
Automatisierung soll Höfe entlasten
Für die Zukunft plant „nahgenuss“, die Serviceleistungen für die Partnerbetriebe auszubauen. Im Mittelpunkt steht dabei die Automatisierung administrativer Abläufe, wie etwa Bestellabwicklung, Rechnungslegung und organisatorische Prozesse.
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