Die Gemüsebau-Saison in Oberösterreich ist heuer unter guten Vorzeichen gestartet: Nach einem trockenen, kalten Winter und günstigen Bedingungen im Frühjahr können viele Freilandgemüsearten wie Radieschen, Salate, Jungzwiebeln oder Kohlrabi schon in großer Menge und hoher Qualität geliefert werden. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Lage für die Betriebe aber angespannt.
2026 bewirtschaften in Oberösterreich 172 Gemüsebaubetriebe insgesamt 2.073 Hektar Anbaufläche – das ist ein leichter Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (14 Hektar). Erwartet werden von den 80 verschiedenen Arten rund 82.000 Tonnen Gemüse, was einem Produktionswert von etwa 68 Millionen Euro entspricht.
„Das Produktionsjahr 2025 war gekennzeichnet von überdurchschnittlichen Hektarerträgen bei den meisten Kulturen. Das bedeutete aber auch einen enormen Preisverfall, zum Beispiel bei Salaten, Wurzelgemüsen, Zwiebeln und Erdäpfeln“, so Oberösterreichs LK-Präsident Franz Waldenberger.
Die Branche sieht sich vor allem durch hohe Lohnnebenkosten unter Druck. Arbeitsintensive Kulturen wie Einlegegurken oder Knoblauch gelten zunehmend als kaum konkurrenzfähig gegenüber Importware aus Ländern mit niedrigeren Arbeitskosten. Laut Landwirtschaftskammer entstehen heimischen Betrieben erhebliche Mehrkosten (siehe Infobox).
Druck durch Importe und Pflanzenschutz-Regeln
Zudem verursachen strengere österreichische Regeln beim Pflanzenschutz Wettbewerbsnachteile und Billigimporte Druck: „Es braucht einheitliche Regeln innerhalb der EU und strengere Kontrollen bei Importen aus Drittstaaten. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Bäuerinnen und Bauern nicht das Nachsehen haben“, streicht Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger hervor. Ein Beispiel: Radieschen oder Kohlrabi werden oft ohne Blattgrün verkauft, weil angefressene oder löchrige Blätter von Konsumenten oft nicht gekauft werden.
Zuckermais bereits wichtigste Einzelkultur
Beim Anbau zeigt sich ein Wandel: Zuckermais ist mit mehr als 20 Prozent Anteil mittlerweile die wichtigste Einzelkultur im oberösterreichischen Gemüsebau. Auch Karotten, Rote Rüben und andere Sauergemüse legen zu. Rückläufig sind hingegen die Flächen für Einlegegurken. Im kleineren Segment wachsen vor allem Bio-Kulturen wie Zucchini oder Radieschen.
Der Bio-Anteil im Gemüsebau liegt stabil bei rund 30 Prozent der Gesamtfläche. Insgesamt entwickelt sich die Produktion zunehmend in Richtung Frischgemüse. Zentrum des oberösterreichischen Gemüseanbaus bleibt weiterhin der Bezirk Eferding.
Sorge bereitet der sinkende Selbstversorgungsgrad: Österreich deckt seinen Gemüsebedarf nur noch zu 57 Prozent aus heimischer Produktion. Bei Obst liegt die Eigenversorgung sogar nur bei 38 Prozent. Die Landwirtschaftskammer warnt daher vor wachsender Importabhängigkeit und fordert Maßnahmen zur Stärkung der regionalen Produktion.
Der Gemüsebau bleibt zudem ein wichtiger Arbeitgeber: Rund 800 familieninterne sowie etwa 1.000 externe Arbeitsplätze hängen direkt an der Branche. Viele Saisonarbeitskräfte für Oberösterreich kommen aus Osteuropa, zunehmend aber auch aus Vietnam und Nepal. Die Verfügbarkeit günstiger Arbeitskräfte gilt für die Betriebe als entscheidender Wettbewerbsfaktor.
Höhere Lohnkosten in Österreich
In Deutschland verdienen Saisonarbeitskräfte seit 2026 mindestens 13,90 Euro pro Stunde, in Oberösterreich sind es netto nur etwa neun Euro. Gleichzeitig haben heimische Betriebe deutlichhöhere Lohnnebenkosten: Bis zu fünf Euro höhere Kosten pro Arbeitsstunde, rund 4.000 Euro Mehrkosten pro Hektar Salat und bei Einlegegurken sogar etwa 14.000 Euro Nachteil pro Hektar.
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