Traktor sät auf trockenem Feld

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Extreme Dürre: LK-Chefs für verfrühte DIV-Flächen-Nutzung

Die Trockenheit hat Österreichs Landwirtschaft fest im Griff. Die LK-Präsidenten in den Bundesländern sehen Handlungsbedarf.

Die durchschnittliche Temperatur lag in Österreich in den vergangenen drei Monaten 1,8 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Zugleich fielen im April (Bundesmittel) nur 24 Millimeter Niederschlag und damit deutlich weniger als üblich. In allen Bundesländern werden Niederschlagsdefizite von 60 bis rund 75 Prozent verzeichnet, besonders betroffen sind Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten, Burgenland, Wien, Steiermark und Salzburg.

Es wird Ausfälle geben, vor allem bei Wintergetreide, Mais, Soja, aber auch im Grünland.

Josef Moosbrugger

LK-Österreich-Präsident

Der fehlende Regen schlägt sich auch in den Grundwasserspiegeln und Gewässerpegelständen nieder, wie ein Blick in den Wasserhaushalt-Monatsbericht April des Landwirtschaftsministeriums zeigt. Dort heißt es: „Da sich in den kommenden Wochen keine länger anhaltende, ergiebige Niederschlagsphase abzeichnet, ist kurzfristig mit keiner spürbaren Entspannung der Grundwassersituation zu rechnen.“ Entsprechend dramatisch stellt sich die Situation für die Landwirtschaft dar, wie LK-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger im Interview mit dem Pressedienst AIZ erklärte. „Es wird Ausfälle geben, vor allem bei Wintergetreide, Mais, Soja, aber auch im Grünland“, so der LK-Chef.

Forderungen nach kurz und mittelfristiger Entlastung

Aus den betroffenen Bundesländern werden seitens der Standesvertretung bereits Forderungen nach Hilfsmaßnahmen laut. So plädiert die LK Niederösterreich für weitere Maßnahmen zur Kostenentlastung – parallel zur in den kommenden Jahren zugesicherten Agrardieselrückvergütung. Kurzfristig sieht die Kammer die Nutzung von Biodiversitätsflächen (DIV) zur Verbesserung der Futtergrundlage als eine unterstützende Maßnahme. Darüber hinaus sei eine Stärkung von Risikoinstrumenten wie Dürreversicherungen erforderlich.

Langfristig müsse es zudem einen konsequenten Ausbau der Bewässerungsinfrastruktur geben. „Trockenheit und Extremwetter sind Realität. Maßnahmen wie Bewässerung und Absicherungssysteme müssen konsequent weiterentwickelt werden“, so LK-Niederösterreich-Präsident Johannes Schmuckenschlager.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie rasch sich die Situation zuspitzen kann.

Franz Waldenberger

LK-Oberösterreich-Präsident

Auch von seinem oberösterreichischen Amtskollegen Franz Waldenberger wird der Ruf nach Entlastung laut: „Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie rasch sich die Situation zuspitzen kann.“ Mehr Flexibilität in der Bewirtschaftung sei nun ein Gebot der Stunde. Auch in Oberösterreich sieht man in den Biodiversitätsflächen einen rasch wirksamen Hebel. Gefordert wird eine Freigabe der DIV-Flächen am Grünland für eine verfrühte Futternutzung und eine flexiblere Nutzung der DIV-Flächen am Acker.

Gespräche laufen

Selbiges wird in Kärnten gefordert. „Wir brauchen rasch die Erlaubnis, diese Flächen zu nutzen. Das ist die einzige Chance, um zusätzliche Futterressourcen mobilisieren zu können“, so LK-Kärnten-Chef Siegfried Huber. Er erwartet in seinem Bundesland ansonsten Notverkäufe in der Tierhaltung, insbesondere im Rinderbereich. Immerhin: Entsprechende Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium seien dem Vernehmen nach bereits im Laufen.

Vorerst verweist Minister Norbert Totschnig in einer Aussendung auf langfristige Ansätze in der GAP: „Zentrale Bausteine sind Investitionen in die betriebliche und überbetriebliche Bewässerung, wobei unter anderem Investitionskosten in die Bewässerung, Wasserspeicherung, -rückhaltung und -aufbereitung gefördert werden.“

„Langfristig wird man sicher Projekte zur Bewässerung vorantreiben müssen“, ist auch LK-Österreich-Präsident Moosbrugger überzeugt. In der heurigen Situation helfe das natürlich nicht mehr, ergänzt er.

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