„Wir wollen alle auf diese Reise mitnehmen“

Staatssekretär Alexander Pröll im Gespräch mit der BauernZeitung über die Zusammenarbeit in der Bundesregierung, seine Kernanliegen bei der Digitalisierung und was das diese den Bauern bringen soll.

Staatssekretär Alexander Pröll

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Herr Pröll, Sie sind seit gut einem Jahr Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Wie geht es Ihnen in dieser Rolle?

Pröll: Der Job des Staatssekretärs ist sehr erfüllend. Man kann aktiv mitgestalten. Natürlich ist es mit insgesamt fünf Themenbereichen intensiv. Vor allem die Regierungskoordination nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Digitalisierung ist mir, neben anderen wichtigen Themen wie dem Kampf gegen Antisemitismus, ein Anliegen.

Als Sohn von Vizekanzler und Landwirtschaftsminister a. D. Josef Pröll darf man Ihnen gewisse Nähe zur Bauernschaft unterstellen. Was können Sie in Ihrer Funktion für die Bauern bewegen?

Mein Onkel führt einen Weinbaubetrieb, insofern sind die Verbindungen zur Branche eng. Ebenso das Verständnis für die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft Österreichs gilt es zu erhalten. Die im Land erzeugten Lebensmittel sind von größtem Wert, Stichwort Versorgungssicherheit. Worum ich mich als Staatssekretär für Koordinierung bemühe, ist, dass die Agrarthemen von Landwirtschaftsminister Totschnig auch bei den Koalitionspartnern entsprechend Gehör finden.

Erleben Sie hier Gegenwind seitens SPÖ und Neos?

Nur so viel: Die ÖVP ist die einzige Partei, die tagtäglich für die Bauern kämpft. Es braucht hier einfach Verständnis für den jeweils anderen. Derzeit steht der Agrardiesel ganz oben auf unserer Prioritätenliste und ich bin sehr froh, dass wir diesen zusammenbringen.

Medial wird von Ihnen vor allem in puncto Digitalisierung berichtet. Die ID Austria ist mittlerweile für die individuelle Mehrfachantragstellung über das eAMA-Portal notwendig. Aus gutem Grund?

Die ID Austria soll der einfachste Weg für die Bäuerinnen und Bauern sein, um Förderleistungen abzuholen. An diesem Ziel arbeiten wir kontinuierlich weiter. Für all jene, die ID Austria nicht nutzen wollen, besteht weiter die Möglichkeit, ihre Anträge mit Hilfestellung der LK analog abzugeben. Einen Zwang wird es nicht geben. Bis Ende 2030 sollen die Anwendung neun Millionen Menschen im Land verwenden. Wir beschäftigen uns laufend mit Verbesserungen, etwa durch KI.

Diese Technologien sind gekommen, um zu bleiben.

Alexander Pröll

In puncto Präzisionslandwirtschaft (auch mit KI) wird am Markt viel geboten. Wie kann es gelingen, die Bauern hier mitzunehmen?

Wir erleben gerade maßgebliche Veränderungen in allen Sektoren. Zu neuen Technologien wird ja insbesondere für die Landwirtschaft intensiv geforscht. Es gibt zahlreiche österreichische Unternehmen, die hervorragende Lösungen erarbeitet haben, um Bäuerinnen und Bauern den Arbeitsalltag zu erleichtern. Seitens des Staatssekretariats bieten wir für Bürger österreichweit 6.000 kostenlose Workshops auf Gemeindeebene an, um sich mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen zu können. Künstliche Intelligenz ist hier ein Schwerpunktthema. Wir wollen alle auf diese Reise mitnehmen. Diese Technologien sind gekommen, um zu bleiben.

Ein aktuelles Beispiel für die Geschwindigkeit der Entwicklungen ist das Thema autonomes Fahren. Die Niederlande haben als erstes EU-Land die technische Lösung eines namhaften E-Auto-Herstellers für den Straßenverkehr zugelassen. Wird Österreich nachziehen?

Ich habe mir das autonome Fahren im Personenverkehr kürzlich in den USA selbst ansehen können und bin überzeugt, dass diese Technologie sicher auch in Europa breitenwirksam ausgerollt wird. Der Grund ist ein einfacher. Selbstfahrende Autos minimieren Personenschäden, insbesondere tödliche Unfälle auf der Straße. Das zeigen Zahlen aus den USA. Ich bin diesbezüglich in intensivem Austausch mit Verkehrsminister Hanke. Noch heuer soll die Legistik für die Umsetzung fertiggestellt werden. Ab 2027 wollen wir die Selbstfahrtechnik dann in die Breite bringen.

Darf in Zukunft also auch der Traktor eigenständig vom Hof zum Feld fahren? Technisch möglich wäre es bereits.

Ich würde das ganz klar so sehen. Schließlich ist der sensibelste Bereich der Personenverkehr. Es wäre unsinnig, die Landwirtschaft um diese Arbeitserleichterung zu bringen.

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