Wenn ein Obstbaum stirbt, stirbt oft auch eine Sorte

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Dreiviertel aller heimischen Obstsorten sind vom Aussterben bedroht. Das brachte die erste österreichische Obstinventur ans Licht. Gefördert vom Biodiversitätsfonds der Republik führte der Verein Arche Noah genetische Analysen von Blattproben der Baumbestände von 17 Obstsammlungen durch. Über alle neun Bundesländer verteilt wurden Äpfel, Birnen, Zwetschken, Kirschen, Weichseln, Marillen und Pfirsiche erfasst und insgesamt 2.506 unterschiedliche Obstsorten nachgewiesen. 1.859 davon sind bedroht oder sogar stark gefährdet. Alarmierend ist auch das Alter der Baumbestände, wie Gerlinde Handlechner von der Sammlung Moststraße (Mostviertel) bei der Präsentation betonte: „Viele Sorten existieren nur auf überständigen Bäumen. Es fehlt das Absichern durch neue Veredelungen und junge Bäume.“ Bereits der Ausfall eines Baumes oder das Fällen einer Streuobstwiese könne dafür sorgen, dass eine Sorte unwiederbringlich verloren geht. Ziel ist es nun, Sammlungslücken zu schließen und jede Sorte vorläufig in mindestens drei, besser fünf Sammlungen zu verbreiten, um die Erhaltung mittelfristig zu sichern. Das sei kein ein Selbstzweck, verdeutlichte Karin Silhavy-Richter von der an der Inventur beteiligten HBLA Klosterneuburg: „Wir brauchen diese Vielfalt für einen zukunftsfähigen Obstbau und für die Zucht.“ Nicht nur jede Baumschule – auch jeder Hof, jeder Imker, jede Gartenbesitzerin kann sich unmittelbar beteiligen und alte Obstbäume pflegen, Sorten bestimmen lassen und junge Bäume nachpflanzen. Das bereichert kulinarisch und sichert angesichts neuer Pflanzenkrankheiten die genetische Breite.

www.obstmonitoring.at

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