Es war 1946, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Rund 160 landwirtschaftliche Gebäude und Hofstellen waren in Tirol zerstört, mehr als 200 erheblich beschädigt. Besonders betroffen waren das Unterinntal, das Wipptal, das Ötztal und das Außerfern. Bäuerliche Existenzen, aber auch die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, waren in Gefahr.
Der Tiroler Bauernbund, der während des Zweiten Weltkriegs aufgelöst worden war und sich erst 1945 neu gegründet hatte, sah Handlungsbedarf. Eine von ihm initiierte Spendenaktion für die betroffenen Bäuerinnen und Bauern brachte 1,3 Millionen Schilling ein – den Grundstock für das spätere Wirken des Tiroler Landeskulturfonds.
Hilfe im Kreislauf
Aus dieser ersten Hilfe wurde Schritt für Schritt ein dauerhaftes Instrument. Zwei Jahre später gründete die Landeslandwirtschaftskammer das landwirtschaftliche Bauhilfswerk, am 8. Mai 1951 folgte die Gründung des Landeskulturfonds durch den Tiroler Landtag. Das Grundprinzip blieb dabei bewusst erhalten. „Sozusagen als Hilfe zur Selbsthilfe – so hat es auch der erste Geschäftsführer des Landeskulturfonds, Hans Weingartner, im Jahr 1952 auf den Punkt gebracht“, erklärte Geschäftsführer Thomas Danzl.
Und weiter: „Dieses Modell ermöglicht einen sich selbst erneuernden Kapitalstock: Die Rückzahlungen fließen wieder in neue Investitionen. Dadurch bleibt der Fonds unabhängig von jährlichen Budgetmitteln des Landeshaushalts und konnte sich über Jahrzehnte zu einer finanziell starken und eigenständigen Institution entwickeln.“ Heute ist die Kreditvergabe weiterhin eine zentrale Säule des Landeskulturfonds. Zugleich hat der Fonds im Laufe der Jahrzehnte zusätzliche Aufgaben übernommen – vom Wasserleitungsfonds bis zum Flächenmanagement.
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Zum Jubiläum präsentierten Geschäftsführer Thomas Danzl und Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler das neue Logo des Landeskulturfonds.
Partner der Landwirtschaft
LHStv. Josef Geisler stellte beim Jubiläum die Menschen hinter den Zahlen in den Mittelpunkt. In Tirol werde oft das Ergebnis gesehen – ein moderner Stall, eine gepflegte Kulturlandschaft oder ein weitergeführter Hof. Weniger sichtbar sei, was dahinterstehe: Verantwortung und die Bereitschaft, trotz schwieriger Rahmenbedingungen zu investieren.
„Der Landeskulturfonds ist seit 75 Jahren ein verlässlicher Partner für unsere Bäuerinnen und Bauern“, betonte Geisler. Zugleich sei er „ein wesentliches Instrument für die Entwicklung des ländlichen Raums in Tirol“. Gerade weil die Investitionen größer und komplexer würden, setze der Fonds dort an, „wo die Herausforderungen am größten sind – beim Zugang zu leistbarer Finanzierung“.
Bericht aus der Praxis
Hannes Post betreibt gemeinsam mit seiner Familie einen Hof in Obermieming. Rund 115 "Tiroler Almrind"-Mastochsen werden am Betrieb unter anderem in einem Laufstall, der 2018 durch die Unterstützung des Landeskulturfonds erbaut werden konnte, gehalten.
Hannes Post erklärt: "Wer nicht investiert, verliert irgendwann den Anschluss. Für uns war immer entscheidend, unseren Betrieb laufend und in überschaubarem Rahmen weiterzuentwickeln. Dabei ist uns wichtig, dass Investitionen auch einen Mehrwert bringen – sei es bei der Wirtschaftlichkeit, der Arbeitserleichterung oder auch bei der Lebensqualität am Hof. Mit der Unterstützung des Landeskulturfonds konnten wir wichtige Schritte umsetzen, die unseren Betrieb nachhaltig gestärkt haben. Gerade für bäuerliche Familienbetriebe ist ein verlässlicher Partner wie der LKF enorm wichtig."
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Hannes Post aus Mieming sieht im Landeskulturfonds einen wichtigen Partner für die landwirtschaftliche Praxis.
Vom Kriegsschädenhilfswerk zum Zukunftsfonds
1945/46
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Tiroler Landwirtschaft vor großen Schäden. Rund 160 landwirtschaftliche Gebäude und Hofstellen waren zerstört, mehr als 200 erheblich beschädigt. Der Tiroler Bauernbund startete eine Spendenaktion. Die gesammelten Mittel flossen in das Kriegsschädenhilfswerk und wurden als zinsgünstige Darlehen für den Wiederaufbau vergeben.1948
Aus der Wiederaufbauhilfe entstand das landwirtschaftliche Bauhilfswerk als strukturierte Fördereinrichtung. Neben kriegsgeschädigten Höfen wurden damit auch weitere bäuerliche Betriebe mit Investitionsbedarf unterstützt.1951
Der Landeskulturfonds wurde gesetzlich gegründet. Sein Grundprinzip blieb bewusst erhalten: nicht einmalige Zuschüsse, sondern langfristige, zinsgünstige Darlehen. Durch Rückzahlungen entsteht ein Kapitalstock, der wieder für neue Investitionen eingesetzt wird.1952
Das landwirtschaftliche Bauhilfswerk wurde in den Landeskulturfonds integriert. Damit wurde die bisherige Aufbauhilfe in den Fonds übergeführt.1958
Der Wasserleitungsfonds wurde eingerichtet. Seither wickelt der Landeskulturfonds auch Finanzierungen für Wasserver- und Abwasserentsorgung in Gemeinden ab.1959
Mit dem Agrarinvestitionskredit kam ein weiteres wichtiges Finanzierungsinstrument dazu. Der Landeskulturfonds beteiligte sich damit an einem Bundesprogramm für Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe.1970er-Jahre bis heute
Die Kreditvergabe zeigt den Strukturwandel in der Landwirtschaft: In den 1970er-Jahren wurden bis zu 700 Kredite pro Jahr vergeben, die durchschnittliche Darlehenshöhe lag bei rund 16.000 Euro. Heute sind es rund 150 Kredite pro Jahr, dafür mit durchschnittlich etwa 100.000 Euro pro Darlehen. Es gibt also weniger Fälle, aber deutlich größere und kapitalintensivere Investitionen.Heute
Der Landeskulturfonds ist seit 75 Jahren Finanzierungspartner für Landwirtschaft, Gemeinden und ländliche Infrastruktur. Zwischen 1951 und 2025 wurden über den Landeskulturfonds rund 26.200 Kredite vergeben. Die Gesamtbilanz zum Jubiläum: 31.214 abgewickelte Darlehen und rund 990 Millionen Euro Darlehensvolumen.
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