Mehr will ich nicht. Danke.

Portrait Sabine Kronberger

Copyright © Sabine Kronberger

Ich habe mir eigentlich fest vorgenommen, diesmal nicht über Frauen und Männer zu schreiben. Ich schwöre! Ich wollte etwas anderes in den Fokus rücken. Doch die Ereignisse der letzten Wochen lassen mir keine Wahl. Ich fühle Betroffenheit. Als Mutter, als Frau, als Partnerin und Journalistin sehe, höre und lese ich täglich von Übergriffigkeiten jeder Natur auf Frauen. Die Gleichzeitigkeit dessen, was gerade in und um Österreich sichtbar wird, macht fassungslos. Für die vermeintlichen Täter gilt die Unschuldsvermutung – zu Recht. Aber sie gilt auch für die Opfer?

Fast jede Frau in Österreich hat mindestens einmal in ihrem Leben eine Gewalterfahrung gemacht, die im Moment der Offenbarung sofort in die Unglaubwürdigkeit gezerrt wird. Arten gibt es viele: Rhetorische Gewalt, körperliche Gewalt, ökonomische Gewalt, sexuelle Gewalt und jetzt auch noch digitale Gewalt – wie der Fall Collien Fernandes öffentlich gemacht hat. Die Täter waren immer da. Neu ist, dass Frauen aufhören, Opfer zu sein. Doch wieder vermisse ich die Männer, die fordern, dass Gewalt im Keim erstickt gehört. Wieder sind es nur wenige Männer, auch Prominente, die es wagen, für die Frauen Partei zu ergreifen. Die meisten zögern. Viele schweigen. Ich habe heute nur zwei (kleine) Wünsche: Dass es als männlich gilt, jede Form der Gewalt abzulehnen und dass Männer mit der gleichen Vehemenz für Frauensicherheit eintreten, wie sie es tun würden, wenn man ihren Fußballclub, ihre Partei, ihr eigenes Geschlecht oder den besten Freund angreift. Das wars. Mehr nicht. Danke.

Weitere Artikel